Kennen Sie eine Frau, die lustvoll debattiert?

Die Headline in der Bildtafel ist ernst gemeint. Kürzlich publizierte ein Schweizer Sonntagsblatt, dass Politikerinnen weit weniger in den Medien zitiert werden als ihre männlichen Kollegen. Sie erreichen medial bei weitem nicht den prozentualen Anteil, den sie in öffentlichen Ämtern innehaben. Gerechtigkeit hin oder her, der unschöne Fakt hat einen triftigen Grund: Frauen kommunizieren defensiv. Leider.

In wenigen Tagen wird mit Karin Keller-Sutter eine hervorragend qualifizierte Frau in den Bundesrat gewählt. Weder ihr Charakter noch ihr Leistungsausweis lassen Wünsche offen. Trotzdem lautet ihr Markenzeichen: defensive Kommunikation. Sie polarisiert nicht, sie provoziert nicht, sie greift nichts und niemanden an. Kommunikativ eine langweilige Person. Jeder männliche Dorfpolitiker kommuniziert mutiger und hat einen höheren Unterhaltungswert. In eine absolute Spitzenfunktion schafft es eine Frau wie Keller-Sutter nur, weil sie über mehr Fachkompetenz und Leistungsvermögen verfügt als ihre männlichen Konkurrenten. Fazit:

Männer kommunizieren offensiver, leisten weniger und werden häufiger gewählt. Umgekehrt: Frauen leisten mehr, kommunizieren schlechter und werden seltener gewählt. Ein Drama! Aber woher kommt die Angst der Frauen vor verbaler Provokation?

Möglich, dass Frauen einen höheren Anspruch an Kommunikation haben. Wenn Sie sich äussern, soll es stets durchdacht, klug und wahrheitsgetreu sein. Lieber etwas zu wenig als etwas zu viel sagen. Bremsen ist sicherer als Gas geben. Das Pöbeln liegt Frauen nicht, an Stammtischen fühlen sie sich nicht richtig wohl. Es gibt keine ambitionierte Frau, die Sprüche wie ein Andreas Glarner von sich geben würde.

Gründe? Weibliche Debattierlust wird schlecht belohnt!

Und trotzdem haben hoch intelligente Frauen ja eine natürliche Debattierlust: Tamara Funiciello, Regula Stämpfli. Anita Fetz, Melanie Winiger oder Esther Girsberger sind nur eine Handvoll Beispiele unter unzähligen. Woran liegt es denn nun, dass Frauen medial so wenig Raum einfordern? Ich behaupte: Frauen, die provokativ kommunizieren, erhalten eine schlechtere Resonanz als Männer, die dasselbe tun:

Kommunikativ angriffige oder mindestens offensive Frauen werden in Talkunden:

  1. oft ignoriert. 
  2. manchmal wie Kinder zurechtgewiesen oder ruhig gestellt.
  3. pseudocharmant und demonstrativ belächelt.
  4. überhöflich oder rücksichtsvoll behandelt und damit marginalisiert.
  5. mit anzüglichen Blicken gezielt verunsichert.

Irren sich Frauen öffentlich, hat dies schwerwiegendere Folgen als bei Männern. Sie verlieren schneller ihr Renommee. Zudem verzeihen Männer Frauen verbale Angriffe viel weniger als ihren männlichen Artgenossen, mit denen sie anschliessend einfach ein Bier trinken und sich alkoholisiert aussöhnen.

Die Lösung? Lernt das Handwerk der Provokation!

  • Frauen müssen sich zugestehen, nicht immer nur Sinnvolles zu sagen. Sie müssen sich Fehler und Flapsigkeiten genau so selbstverständlich erlauben wie Männer.
  • Frauen müssen auf Resonanz und Beifall von Männern verzichten können.
  • Frauen sollten sich stärker mit Frauen solidarisieren und der Männerbastion eine geschlossene Macht gegenüberstellen.
  • Frauen müssen Quoten fordern – vor allem auch in der Besetzung relevanter Medientalks. Sie sollten sich vordrängen.
  • Frauen müssen endlich die Macht strategischer Kommunikation nutzen:

Liebe Frauen, egal, ob allein vor dem Spiegel, mit einem erfahrenen Coach oder in einem Gruppen-Workshop: Bitte, erweitert euer kommunikatives Repertoire und eignet euch eine Dosis Kampfrhetorik an. Werdet kompetitiver, offensiver, lauter! Und zeigt um Himmels Willen endlich Spass an der provokativen Debatte!

Herzlich
André

PS: Üben liesse sich euer Kampfgeist übrigens auch auf der Autobahn. Oder habt ihr schon einmal eine Frau beobachtet, die dicht auffährt, die Lichthupe betätigt und mit 150 km/h überholt?

André Kesper hat sich als Werbetexter auf die Disziplinen Name | Claim | Slogan | Headline | Statement spezialisiert und wurde 4 mal für den SWISS TEXT AWARD nominiert. Er schreibt für Unternehmen, Persönlichkeiten sowie Agenturen. Nebst diesem Blog finden Sie André Kesper hier.

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